Eva von Platen


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Bildverlängerungsmassnahme

2011
Collage with acrylic
31 x 16 cm

Eva von Platen-Hallermund,
geboren 1965 in Frankfurt am Main.
Finnische Staatsangehörigkeit;
arbeitet in Nürnberg und Frankfurt am Main.

1987 bis 1994
Studium an der Hochschule für Gestaltung, Offenbach am Main
Fachbereich Visuelle Kommunikation
Schwerpunkt Film und Zeichnen

1995
Arbeits-Stipendium in New York
Hessische Kulturstiftung

1995 bis 1998
Storyboard-Zeichnerin,
Entwurf und Regie von Werbefilmen

1997 bis 1999
Aufbaustudium Kunsthochschule für Medien und Film, Köln
Schwerpunkt Regie und Drehbuch

1999 bis 2001
Autorin für Bühne, Film und Fernsehen

Seit 2002
Freie Mitarbeit beim Kinderfernsehen des WDR
als Zeichnerin und Illustratorin

2003/2004
Lehrauftrag an der Fachhochschule Dortmund
Fachbereich Visuelle Kommunikation / Konzeption und Entwurf

Seit 2005
Professur an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
Grundlagen der Gestaltung und Bildende Kunst

Preise / Stipendien / Förderungen

2001
Künstlerinnenstipendium des Landes NRW

2000
Filmförderung Filmbüro NW e.V., Düsseldorf

1999
Hessischer Filmpreis 1999 für das Gruppenprojekt “Winterspruch”

1998
Hessische Filmförderung

1997
Kulturelle Filmförderung Filmbüro NW e. V., Mühlheim a.d.R.

1995
Reisestipendium der Hessischen Kulturstiftung

1993/94
Stipendiatin der Mosbachstiftung

Buch

Eva von Platen "Scheins und Wirklichkeits"
Zeichnungen, Collagen und andere Dokumente
112 Seiten, durchgehend ganzseitige s/w und farb. Abb., 20x15, Ppdg..
Bio-, Biblio- & Filmographie. ISBN 3-9806837-1-0, Berlin 2000

Eva von Platen ist Zeichnerin und Filmemacherin. Ihre letzten Filme sind „Hasi“, ein Kurzspielfilm zum Thema Ehe, Familie und Scheidung (16mm, s/w, 15 Min., 1998), „Die Kümmerer“, ein Film über 12 junge arbeitslose Akademiker auf dem Weg zu ihren Vorstellungsgesprächen und Fortbildungskursen (16mm, Farbe, 11 Min., 1999) und „Hanne Büchen“ ‚Eine lebende Frauenzeitschrift legt ein goldenes Ei‘ (35mm, Farbe, 15 Min., 2000). Parallel zur Filmarbeit zeichnet und schreibt Eva von Platen. „Scheins und Wirklichkeits“ ist ihre erste größere Publikation in Buchform, ein Bilder- und Künstlerbuch. Es enthält eine Auswahl an Zeichnungen, Skizzen, Notizen, Collagen, Fotos, Fundsachen, die Eva von Platen in den letzten 10 Jahren angefertigt oder gesammelt hat. Viele der im Buch abgebildeten Zeichnungen sind im Besitz des Museum für Moderne Kunst in Frankfurt.


Filme und Videos (Auswahl)

1989 "Don Quixote", Kompilationsfilm der Filmklasse HfG Offenbach
1990 "Sinn", Film über Langeweile und Ekel, 16mm s/w 9 min
1991 "Eine 1/100 sec nach dem Urknall", Zeichentrickfilm 16mm s/w 2 min
1993 "Muggenmelk", Fiktiver Dialog zweier Spezialisten
im Fantasie-Esperanto, 16mm s/w 3min
1994 "Heim", Episodenfilm über fin-de-siecle-Neurotiker,
16mm s/w 29 min (2. Schnittfassung)
1994 "Hunger", Ganz kurzer Film über Fastfood, 16mm Farbe 2 min
1995 "Luxus", 4 Episoden zum Thema Luxus, 16mm Farbe 25 min
1998 "Hasi", Film über Familie, Ehe und Scheidung, 16mm s/w 15 min
1999 "Winterpruch", Kompilationsfilm zu Liedern von Hanns Eisler, Hessischer Filmpreis
2000 "Hanne Büchen", Eine wandelnde Frauenzeitschrift legt ein goldenes Ei, Film über Einsamkeit und Dienstleistungsmonster
2001 "Der Staubsaugervertreter", Videoloop (3 min)

Ausstellungen (Auswahl)

2015
3. Biennale der Zeichnung, Kunstmuseum Erlangen, Germany

2013
"Fabulanten. Skitzländer. Wunderblöcke", Kulturstiftung Schloss Agathenburg, Germany

2012
"In Wald und Flur / Im Flur / Wir warten", Galerie Barbara Wien (S)

2011
Arthur Boskamp-Stiftung M.1 Hohenlockstedt
"Il Linguaggio e una virus" Primo Piano LivinGallery, Lecce, Italy
Art Bruessels 29 Contemporary Art Fair, Brüssel
SCHAU ORT Zürich

2010
"Funktionen der Zeichnung" MMK Frankfurt
"Freuds" Nationalgalleriet, Stockholm (s)

2009
Galerie Barbara Wien; Berlin (S)
"Gestern oder im 2. Stock", Komik und Kunst seit 1948, Münchner Stadtmuseum
"Die Familie hält sich zurück", Overbeck Gesellschaft, Kunstverein Lübeck
"Cut and Paste" International Exhibtion of Collage and Assemblage,
Galleri KG52, Stockholm, Sweden

2008
ZKM, Museum für Neue Kunst, Karlsruhe
"Vertrautes Terrain", Aktuelle Kunst in/über Deutschland

2007
Institut für Moderne Kunst, Zumicon, Nürnberg (E)

2004
Triennale Kleinplastik; Fellbach
"Ich will, daß Du mir glaubst"

2003
Albrecht Dürer Gesellschaft Kunstverein Nürnberg
White cube, Copenhagen

2002
Fenomenale; Brüssel
Theater der Welt; Köln
Neue Gesellschaft für Bildende Kunst e.V.; Berlin

2001
Galerie Hartmut Beck; Erlangen (E)
Ausstellungshalle Schirn; Frankfurt a.M.
Galerie Barbara Wien; Berlin (E)

2000
Ausstellungsraum de Ligt; Frankfurt am Main (E)
Galerie Katia Rid; München (E)
Akademie der Künste; Berlin
Frankfurter Filmschau; Frankfurt a.M.

1999
Museum für Moderne Kunst; Szenenwechsel XVI; Frankfurt a.M.
British Council, Filmclub 813; Köln
Rencontres Internationales Hors Circuit; Paris
Filmhaus München

1998
Werkschau im Programm-Kino "Mal Sehn", Frankfurt a.M.
short cuts cologne
Festival der Filmhochschulen; München

1994
"Positionen Aktueller Kunst in Frankfurt"; Frankfurt a.M.
Werkschau im Kommunalem Kino; Frankfurt am Main

1993
Galerie Forum der Frankfurter Sparkasse 1833 (E)

1992
Frankfurter Kunstverein
"Kunst in Frankfurt - Medium Zeichnung"

Eva von Platen, Da hüpft etwas zwischen den Bildern von Sabine Mila Kunz

Eva von Platen von Jean-Christophe Ammann


Eva von Platen, Da hüpft etwas zwischen den Bildern
Interview mit Eva von Platen von Sabine Mila Kunz

in: Fabulanten. Skitzländer. Wunderblöcke.
Aktuelle Zeichnungen zwischen Narration und Fantastik
Hrsg. Kulturstiftung Schloss Agathernburg 2013, S. 42-45

Erinnerst Du Dich an Deine Kinderzeichnungen? Ich habe Wege von Ameisen gezeichnet. Da stand ich vor einem Ameisenbau und beobachtete wie die Tiere laufen, das habe ich aufgezeichnet. Eine Ameise kam wohl auch vor. Als Kind habe ich gerne Dinge auseinandergenommen. Die waren danach kaputt und ich bekam sie nicht mehr zusammen. So habe ich angefangen aufzuzeichnen, wie sie vorher ausgesehen haben. Zeichnungen bieten sich an als Konserve. Man kann sich ja nicht merken, wenn man etwa ein Radio zerlegt hat, wie es vorher ausgesehen hat.

Bist Du dann geradewegs auf einer Kunsthochschule gelandet? Mich faszinierte Wissenschaft, weil ich beobachten wollte. Ein Praktikum in der Tiermedizin entsprach dann aber nicht meinen Vorstellungen. Mit meiner klassischen Klavierausbildung habe ich ein Musikstudium begonnen. Das war nicht besonders aufregend, obwohl es mir gefallen hat, etwas formal zu analysieren - etwa Stücke von Bach. Nachdem ich auf einer Privatschule in Florenz dezidiert zeichnen gelernt habe - Akt, Stillleben, Porträt - das ganze Programm, bin ich auf die Hochschule fur Gestaltung nach Offenbach gegangen. Das war fur mich eine gelungene Mischung aus Zeichnung und Film. Beim Film arbeitest du im Team. Das ist kommunikativ, das war das Spannendste.

Was war der Reiz bei der Zeichnung? Man ist fur sich und auch einsam. Zeichnen ist eine Form von Denken. Wenn Du etwas zeichnest, kannst du Dinge gleichzeitig darstellen. Das ist anders als beim Schreiben oder Erzählen von Geschichten. Zeichnen ist nonlinear. Du kannst Dinge auf den Punkt bringen, komprimieren oder dehnen. Das wird nie langweilig. Diese zeitliche Dimension ist die Qualität eines Bildes. Es ähnelt stärker der Musik, die mit ihren Notationen hin und her springen kann.

Wie hast Du Deinen Weg gefunden und zu einer Mischung aus Zeichnung, Collage, Text und Film? Das weiß ich nicht. Von Vorteil war bestimmt, dass ich immer viel gezeichnet habe, intuitiv und manisch. Bestimmt fünf Stunden am Tag schrieb ich und kritzelte und zeichnete meine Bücher.

Was empfiehlst Du Deinen Studenten? Eine meiner Lieblingsübungen für Studenten ist "Das Gegenteil zeichnen". Dafür sollen Sie einen Gegenstand realistisch abzeichnen und aufs gleiche Papier daneben den Gegensatz. Da prallen dann Kontraste aufeinander. Ich sage, "wenn ihr das wirklich schafft, muss man lachen". Das hilft ihnen, genau zu beobachten und zu analysieren: Ist das, was ich sehe, glatt, haarig, hubbelig? Man kann erkennen, ob jemand inhaltlich oder formal denkt. Für Asiaten ist die formale Herangehensweise kein Problem. Uns Europäern geht es nur um die Funktion.

Was ist die Herausforderung? Das Tolle am Zeichnen ist die Abstraktion. Es gibt ja keinen Strich in der Natur. Man muss jedes Mal entscheiden, wie man etwas in eine Linie überfuhrt, die ja abstrakt ist. Man verlangsamt einen Denkvorgang und abstrahiert. Das kann man auch spüren beim Tun. Manchmal ist Zeichnen auch Spur und Abdruck, was jeder Mensch lesen kann. Und die Zeichnung kann andeuten. Reduktion ist wichtig, den Rest macht das Auge oder das Gehirn. Wenn Du zu viel erklärst, ist der Witz weg.

Wann bist Du mit Deinen eigenen Arbeiten zufrieden? Mit wenigen Mitteln eine relativ große Aussage machen, das ist der sportliche Anspruch. Ich mag, wenn etwas comicartig ist und der Rhythmus stimmt; wenn etwas Lustiges passiert, sich beißt und Komik entsteht; oder Rätsel zwischen mehreren Zeichnungen, die der Kopf kapiert.

Was bei Dir auch immer eine Frage der Hängung ist. Ich schätze Spiele mit Assoziationen. Wenn ich Dinge zerlege, kann ich sie neu kombinieren und dann entsteht schnell ein neuer Zusammenhang. Die unterschiedlichen Zeichnungen fuhre ich an der Wand zusammen. Manches funktioniert noch nach drei Monaten, anderes ist am nächsten Tag schon lasch. Das probiere ich vorher aus. Für jede Ausstellung plane ich solche Überraschungen. Da hüpft etwas zwischen den Bildern im Kopf. Wenn es diesen Clash gibt, bin ich zufrieden.

Du greifst häufig auf vorgefertigte Abbildungen zurück. Du meinst, dass ich zitiere. Das kommt daher, dass ich gerne Dinge auseinandernehme und deshalb Bilder zerschneide. Für mich ist Zeichnen kein Aufzeichnen meiner Beobachtungen, sondern ein Zerlegen von Wahrnehmung. Es macht keinen Unterschied, ob ich die Information, die bei mir im Kopf ankommt, selber zeichne, ob ich eine fremde Zeichnung wiedergebe oder ob das Bild aus einem Magazin stammt. Spannend finde ich, etwas zu untersuchen, neu zu kombinieren und zu begreifen.

Inwieweit interessiert Dich die Sichtweise dieser anderen "Bildermacher" auf die Dinge? Deren Blick tritt zu Tage - das ist das Spannende. Manchmal denke ich, ich bin schon sehr grob. Wenn ich die Schere oder den Stift ansetze, ist das rein formal. Ich sehe nur Umrisse. Was dabei herauskommt, wenn du die Dinge so trennst, ist nicht vorhersehbar. In jeder Aussage, die jemand macht, versteckt er auch etwas. Es zu entdecken, das ist der Spaß. Ich lasse einen Teil weg und erkenne das plötzlich. Es fehlt dann nur ein Wort ...

... dann kippt es um oder ist enthüllend? Diese Entblößen macht mir Freude, obwohl ich niemanden auslache oder abwerte. Es kommt einfach manchmal ans Licht, was eigentlich gewollt ist.

Welche Rolle spielen die Worte und Texte, wo findest Du sie? Vorgestern hat mir ein Student erzählt, er habe ein schweigendes Paar in der S-Bahn erlebt. Da habe sie plötzlich zu ihm gesagt: "Du machst aus einem Problem einen Elefanten." Das ist ein geniales Bild, genau das liebe ich. Es ist so verschoben. Erst einmal fragt man sich: Wie heißt das richtig?

Du machst aus einer Mücke einen Elefanten. Ja, jeder versteht den Weg, der da gegangen wurde. Da komme ich dann abends heim, und diese Worte schwirren mir im Kopfherum.

Wie findest Du dazu ein Bild? Nein, ich illustriere nicht. Dieser Satz flimmert schon genug. Wie kann ich ihn am besten verkaufen? Als Zeichnung funktioniert er nicht. Besser ist er schriftlich oder nachgespielt. Und man sieht den Elefanten am deutlichsten, oder? Für mich ist er grau und groß. Es ist natürlich profan, aber das beschäftigt mich. Das komische war noch, dass der Mann wohl dazu überhaupt nichts nichts gesagt hat.


Eva von Platen
Jean-Christophe Ammann

Sie ist am 18. Juli 1965 geboren. Ihr bisheriges Werk besteht aus Zeichnungen sowie aus längeren und kürzeren Filmen. Manchmal sind es nur Sequenzen. Filme, die Parodistisches, Burleskes mit Absurdem und Traurigem verbinden.

Ihre Zeichnungen, Notationen und Fundstücke haben fast immer mit filmischen Abläufen und bewegten Bildvorstellungen zu tun. Eva von Platen weiß genau hinzuschauen, ihr Gefühl ist präzis. Aber gerade diese Qualitäten stülpt sie gewissermaßen um, indem sie in die Zwischenräume, in die Nischen schaut, Bilder nicht nur in die eine, sondern in alle Richtungen bewegt. "Das Produkt", sagt sie im Gespräch, "ist lebendig, wenn es gelingt zu zeigen, daß es ein Prozeß ist."

Ab 1985 hat Eva von Platen an unzähligen Orten gelebt. "In meinem Kopf gibt es kein Zuhause", sagt sie, aber sie weiß um die Bedeutung der eigenen vier Wände. Die 19 Grund- und Aufrisse von Wohnungen, in denen sie in verschiedenen Ländern, meistens als Mitglied einer Wohngemeinschaft, lebte, hat sie zu einem späteren Zeitpunkt alle aus dem Kopf gezeichnet. Weil eben schon der Kopf kein Zuhause hat, zeichnet sie die Wohnung an dessen Stelle, als Gehäuse, das mit einem Ort, mit einer Geschichte, mit Menschen, mit Bildern und Erlebnissen verbunden ist. "Manchmal", sagt Eva von Platen, "versuche ich liebevoll ‘bewußtlose‘ Sachen zu machen, manchmal geht beim Zeichnen das Lächeln nach innen, oder ich mache bewußt etwas Angestrengtes, den Stift in einer bestimmten Art haltend. Ich spiele mit mir selbst, kreise um mich selbst."

In vielen Arbeiten scheint es tatsächlich so zu sein, daß sich Eva von Platen zuschaut, wie ihr Unbewußtes Sinnentleerung schafft. Aber gerade in solchen Momenten fängt sie Zwischentöne auf, wie wenn jemand beim Sprechen, vielleicht vor Aufregung, Laute verschluckt. Umgekehrt scheut sie den Kalauer nicht, dort wo er situationsspezifisch, im Spannungsfeld von Hochstimmung und Depression eine bestimte Konfiguration bildet. Sie hebt einen Kassenzettel vom Boden, auf dem die spärlich registrierten Produkte von Damensöckchen bis Kaninchenfutter bereits ein Profil der Käuferin skizzieren. Aus einem Sexkatalog klebt sie fein säuberlich Lust stimulierende Gegenstände, Mittel und Preise, Zeile um Zeile, in zwei Kolumnen untereinander, dann addiert sie das Ganze und erhält als "Summe DM 822,80 (und) DM 603,-". Das Zusammenzählen von Gegenständen, die in der Kurzbeschreibung ein Feuerwerk von Erregungen bewirken sollen, wird durch die "buchhalterische Mentalität" ad absurdum geführt. Im gleichen Verfahren, Zeile um Zeile, klebt sie sich von 0.35 Uhr bis 6.49 Uhr ihr eigenes Fernseh-Nachtprogramm zusammen. Das beginnt mit Triumph der Leere und endet in ‘Fünf- und Zehnminutensprüngen‘ bei Bim Bam Bino. Sie reißt sich zehn Haare aus, zeichnet mit raschen Strichen ein Gesicht mit einer Leerstelle in den Haaren. Eine Hand hält einzelne dieser Haare wie eine Garbe triumphierend in die Höhe, und da es eben nur deren fünf sind, welche die Hand hält, schreibt sie, in Form einer Zeile, die Zahlen von 1-10 darunter. Ein Knieschoner bedeckt das eine von stachelig behaarten Männerbeinen, die in ein Gesäß münden. Neben den Knieschoner schreibt Eva von Platen "Kniefick-Schoner". ("Fick dich ins Knie" ist ein nur im deutschen Sprachgebrauch verwendeter Ausdruck und ist gleichbedeutend mit dem englischen "Fuck yourself").

Daß die Arbeiten von Eva von Platen aber auch malerische Qualitäten besitzen, zeigen jene Blätter, in denen beispielsweise ein völlig verdunkeltes Mädchenantlitz frontal, staunend und verstört zugleich in die Welt schaut. Die in Aquarellfarben ausgeführten raschen Pinselstriche schaffen weniger eine modellierende, als vielmehr eine transparente Tiefe. Wenn Eva von Platen im Gespräch sagt, sie verweigere, um den Prozeß deutlich zu machen, das Produkt, so meint sie wohl das Produkt als (ästhetische) Falle, als Irreführung, auch dahingehend, daß es Widersprüche verdeckt, falsche Prämissen schafft und diffuse Konsequenzen vermittelt. Es entspricht nicht dem bildnerischen Denken von Eva von Platen, ganzheitliche Werke im Sinne ihrer Erscheinung zu generieren. Das Bruchstückhafte, Ideensplitter, Ideogramme, ironische und selbstironisierende Kürzel liegen ihr näher. Über oft verschlungene Wege verbindet sie eine Idee, ein Gefühl, mit deren Realisierung. Deshalb sind Blätter wie das erwähnte Mädchenantlitz selten. Das Stimmungsmoment, das es ausdrückt, muß jedoch im Kontext als die alleinige Form der Sichtbarmachung eines Gefühls gesehen werden.

"Mein Leben", sagt Eva von Platen, "ist eine permanente Beherrschung". Ihr Werk ist der ständige Versuch, dem eigenen Chaos aus einer starken, auch gesellschaftspolitisch geprägten Haltung heraus eine Form zu verleihen.

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