Ingrid Wiener


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Einkaufsliste für Whitehorse | shopping list for Whitehorse

2012
Gobelin, Wolle, Baumwolle, Seide,
78 x 58 cm
Tapestry, wool, cotton, silk,
78 x 58 cm

born in Vienna, lives and works in Yukon, Canada and Styria, Austria.

• Studied Textile Design at the HTL Vienna.

• Participation in performances of the "VIENNA GROUP" and experimental movies.

•1971 - 84 co-owner and chef at the artist restaurants MATALA, EXIL, AX BAX in Berlin, later on CLAIMS CAFE in Dawson City, Canada.

• Performances in cooking and singing. Records as well as film documentations for Austrian T.V. together with VALIE EXPORT and OSWALD WIENER.

• Since 1988 landscape photographs out of their small airplane. Approximately at the same time 1974 - 97 cooperation with DIETER ROTH produces Gesamtkunstwerks whose nuclei are tapestries. Since 1995 also drawings of dream images.

• Exhibitions in Austria, Italy, Germany, Switzerland and Canada. Together with Dieter Roth in MOMA, N.Y., Museum LUDWIG, Cologne, SECESSION, Vienna, among others.

• Last publications: You can also weave what you do not see. The Tapestries of Dieter Roth and Ingrid Wiener, KERBER Verlag, Bielefeld/Leipzig 2007

• FALSCHER AUERHAHN, Vinylrecord together with Rosa Barba, Klaus Sander, Jan St. Werner, Oswald Wiener. Villa Romana 2011.

• In Action, Collection Charim im Salon Dahlmann, Berlin 2012
Metamorphosen, Gallery Hohenthal und Bergen, Berlin 2012
Collection Michel Würthle bei Haubrok, Berlin 2012
How to write, Gallery Wien Lukatsch, Berlin 2012
Solo exhibition "Gobelins" Kunsthaus Mürz, Österreich 2012

• "Textile Art" together with Hildegard Absalon, Kunsthaus Weiz, Österreich 2013


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geb. in Wien, lebt und arbeitet in Yukon, Kanada und Steiermark, Österreich.

• Studierte Textiles Design an der HTL Wien. Mitwirkung an Aufführungen der "WIENER GRUPPE" und an Experimentalfilmen.

• 1971 - 84 Mitinhaberin und Chefköchin der Künstlerlokale MATALA, EXIL, AX BAX in BERLIN, später CLAIMS CAFE in Dawson City, Kanada.

• Gesangsperformances, Kochperformances, Schallplatten sowie Filmdokumentationen für das Österreichische Fernsehen mit VALIE EXPORT und OSWALD WIENER.

• Seit 1988 Fotos der arktischen Landschaft aus dem eigenen Flugzeug.

• Ungefähr gleichzeitig, 1974 - 1997, künstlerische Zusammenarbeit mit DIETER ROTH. Es entstehen Gesamtkunstwerke, deren Kern ein Wandteppich ist. Seit 1995 Beschäftigung mit Vorstellungsbildern im Traum.

• Ausstellungen in Österreich, Italien, Deutschland, Schweiz und Kanada. Zusammen mit Dieter Roth unter anderem in MOMA, N.Y., Museum LUDWIG, Köln, SECESSION, Wien.

• Letzte Publikationen: Man darf auch weben was man nicht sieht. Die Teppiche von Dieter Roth und Ingrid Wiener, KERBER Verlag, Bielefeld/Leipzig 2007.

• FALSCHER AUERHAHN, Vinylschallplatte zusammen mit Rosa Barba, Klaus Sander, Jan St. Werner, Oswald Wiener. Villa Romana 2011

• In Action, Sammlung Charim im Salon Dahlmann, Berlin 2012
Metamorphosen, Galerie Hohenthal und Bergen, Berlin 2012
Sammlung Michel Würthle bei Haubrok, Berlin 2012
How to write, Galerie Wien Lukatsch, Berlin 2012
Einzelausstellung "Gobelins" Kunsthaus Mürz, Österreich 2012

• "Textilkunst" zusammen mit Hildegard Absalon, Kunsthaus Weiz, Österreich 2013

Ingrid Wiener / Dieter Roth. Man darf auch weben was man nich sieht. Die Teppiche von Dieter Roth und Ongrid Wiener. Davos 2008

Ingrid Wiener. Träume. Neue Galerie Graz. Katalog mit Text von Peter Weibel. 2006

Solo shows

2012
Gobelins, Kunsthaus Mürz, Austria 2012

2008
Bedingte Wahrscheinlichkeit. Fotografien und Webbilder, Galerie Barbara Wien, Berlin, Germany
Ingrid Wiener. Webstücke, Fotografien und Filme, Galerie Charim, Wien, Austria

2006
Neue Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum, Graz, Austria

2000-2003
Galerie Charim, Vienna
Trance und Traum, Galerie Six Friedrich Lisa Ungar, Munich, Germany
‘...privat!‘, Charim Galerie, Vienna, Austria
Edizioni Morra, Naples, Italy
Galerie Barbara Wien, Berlin, Germany


Group shows

2015
Wien: Ein Briefwechsel, Nils Röller - Ingrid Wiener, Charim Events, Vienna, Austria
wow! Woven? Entering the (sub)Textiles, Künstlerhaus KM–, Halle für Kunst & Medien, Graz, Austria
Verdingte Wahrscheinlichkeit, together with Rosa Barba, Galerie Charim, Vienna, Austria

2014
Carpets and tapestries by artists, Musee d‘Art moderne, Paris, France
DECORUM, Power Station of Art, Shanghai, China
KOCHKONZERT, together with Rosa Barba, Jan St. Werner, Klaus Sander, Tatjana Pavlenko, Oswald Wiener und Michaela Leutzendorf- Pakesch, Schloss Kornberg, Steirischer Herbst, Austria

2013
Textilkunst, together with Hildegard Absalon, Kunsthaus Weiz, Austria
KOCHKONZERT, together with Rosa Barba, Jan St. Werner, Klaus

2012
In Action, Sammlung Charim im Salon Dahlmann, Berlin, Germany
Metamorphosen, Galerie Hohenthal und Bergen, Berlin, Germany
Sammlung Michel Würthle bei Haubrok, Berlin
How to write, Galerie Wien Lukatsch, Berlin

2011
Falscher Auerhahn, together with Rosa Barba, Jan St. Werner, Klaus Sander, Oswald
Wiener, Performance in der Villa Romana, Florenz, Italy
Vinylschallplatte "Falscher Auerhahn"

2010
more carpets, Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Germany
Fischgrätenmelkstand, John Bock, Kunsthalle Berlin, Germany

2007-09
Performance „Wichtel und die Wuchteln“, Medienturm Graz, Austria
DVD: Hämchen, together with Rosa Barba

2007 - 09
Man darf auch weben was man nicht sieht. Die Teppiche von Dieter Roth und Ingrid Wiener, Kirchner Museum, Davos, Switzerland & Neue Galerie, Graz, Austria
Buch: Kerber Verlag, Bielefeld/Leipzig, 2007.

2007
CD: Videobriefe Ingrid Wiener / Dieter Roth (1988/89) Wiens Verlag

2006
CD: Wichtel und die Wuchteln, together with Rosa Barba

1998 - 2007
Einzelausstellungen u.a. Studio Morra, Neapel, Galerie Charim, Wien,
Galerie Barbara Wien, Berlin, Neue Galerie, Graz, ZKM – Bauhaus Weimar, Galerie Hohenthal und Bergen, Berlin.

Gleichzeitig Arbeit an kleineren Webbildern (Yukon Art Center, Whitehorse, Kanada, Galerie Barbara Wien, Berlin, Neue Galerie, Graz, Galerie Hohenthal und Bergen, Berlin)

Fotoarbeiten, mit Valie Export („..but I come to Thee in the name of the Lord…“) Art Cologne, Galerie Charim, Wien, Austria

1984 - 97
Übersiedlung von Berlin nach Dawson City, Yukon Territory, Kanada.
Gründung von „CLAIMS CAFE“ zusammen mit Oswald Wiener. Fotoarbeiten und Filmdokumentationen u.a. für den ORF(österreichisches Fernsehen) – „YUKON QUEST“, „ DAS UNSAGBARE SAGEN“, – zusammen mit Valie Export und Oswald Wiener.

1974 - 97
Künstlerische Zusammenarbeit mit Dieter Roth (anfangs gemeinsam mit Valie Export). In brieflicher Vermittlung werden Dieter Roths Entwürfe mit meinen Konzepten verknüpft und als Kern des jeweiligen Werkes entsteht ein von mir gewobener Gobelin.
Ausstellungen u.a. MAC Marseille, Sezession Wien, Schaulager Basel, Museum Ludwig Köln, MOMA New York.
Gesangsperformances (u.a. in Martin Kippenbergers SO 36)
Schallplatten - single: Ingrid Wiener und Chor,
LP „Wahre Freundschaft" mit VALIE EXPORT

ingrid wiener in dawson city, deutsch

Radikaler Fleiß von Oliver Koerner v. Gustorf


ingrid wiener.
dawson city

1.okt.1986

nach dem 2 jährigen webabenteuer vom „Bertorelli B“ gobelin waren valie und ich zwar stolz auf unser werk, aber wir wollten weitergehen - nicht darin stecken bleiben kunst aus kunst zu machen wie auch immer kompliziert das technische verfahren. allerdings wollten wir nicht die gobelintechnik verändern, das wäre ja auch ein alter hut, sondern neue ideen nach beobachtung der gegebenen vorgangsweise erschliessen. dass dieter der einzige künstler war und ist der uns dabei helfen konnte war klar. er ist einer der ganz wenigen die über das genie verfügen die dinge von einer völlig neuen seite zu betrachten und auch intellektuell zu verarbeiten. diese geburt war allerdings schwer und von langer dauer. zusätzlich erschwert durch seltene treffen - meistens in wien an langen und agressiven abenden. wir wollten nicht von dieters serviette zu seiner unterhose. wir wollten was neues. dieter schien unzugänglich und fast hätten wir den mut verloren. doch nach einigem hin und her kommt dieter mit: wie wärs mit einer spiegelfolie hinter den kettfäden und ihr seht euch selbst und webt was ihr seht. die richtung stimmte, aber es war uns zuviel bezug auf den weber und zuwenig auf das weben. der nächste schritt war einfach und das auslösende moment für unsere idee - warum nicht einfach weben was man hinter den kettfäden sowieso sieht. weg vom entwurf und rein in die dinge die wir sehen. aber nicht im malerischen und statischen abbilden sondern in der bewegung. d.h. da das weben eine sehr langwierige und langsame technik ist - die veränderung nicht nur der dinge sondern des blickwinkels lichtes etc. mitverarbeiten. jeder „augenblick“ erzeugt ein neues moment des „sehens“ und ein neues muster. die idee war faszinierend. aber wo kommt dieter rein? ganz einfach er muss im raum sein. hinter dem webstuhl - mitten drinnen. aber wann ist dieter in berlin? selten. er verspricht oft zu kommen und dann ist er drauf. nein, er schickt ein foto von sich und solange er nicht selbst da ist ist er das foto als präzise abbildung. falls er kommt sitzt er hinter dem webstuhl und wir „sehen“ ihn. wir starten mit grossem enthusiasmus, der bald verfliegt. es ist technisch fast unmöglich was wir uns vorgenommen hatten. die dinge sind auf die webfläche projiziert zu klein, die veränderungen zu schnell - oder sind wir nicht gut genug? wir haben das bedürfnis die dinge genau zu sehen. mit unserer idee sehen wir nur schemen von dingen, denn die kettfäden sind sehr dicht - dennoch ist die auflösung noch zu grob. ja eben: je besser die auflösung desto schemenhafter die dinge. ausserdem ergibt jedes kopfverdrehen einen neuen blickwinkel auf das objekt und der kopf ist schneller als die hand. wir sind versucht uns möglichst nicht zu bewegen. die gobelintechnik des stufenweisen vorwärtsarbeitens erschwert die sache bis zur unmöglichkeit. das nötige höher und niederstellen des sessels oder das aufdrehen des gobelins verändert zwar den blickwinkel für den moment gewaltig - aber nach kurzer zeit tritt ermüdung ein. den webstuhl anders zu stellen wäre eine möglichkeit der erfrischung - doch ergibt sich nichts wesentlich neues. die innere vorstellung von den dingen lässt sich nicht so schnell weben wie vielleicht malen. es ist eine frustration. wir sagen dieter nichts davon. wir müssen unsere sehweise verändern. es ist eine starre und einseitige form des sehens. wir sind uns einig darüber aber das abbauen geht schwer. wir greifen zu polaroid als hilfsmittel. dieter sagt man sollte nur tun was freude macht! valie bekommt geld für ein filmprojekt. es ist klar dass sie keine zeit mehr haben wird. (die rote linie in der linken unteren ecke kennzeichnet das ende ihrer arbeit.) ich arbeite mich tapfer durch die schemen der kohlen- und aschenkübel in unserer wohnung. es ist winter und sehr grau in berlin. das licht ist schlecht und aus dem schwarzweissfoto von dieter ist wenig rauszuholen - oder meine fantasie macht nicht mit. ich bin verzweifelt. dieter sitzt in island und macht mir mut. er malt seinen schuh ab für mich und ich bin glücklich. endlich wieder was vor - gesehenes. ich schwäche die idee ab - ich möchte den kohlenkübel und den aschenkübel die mir so vertraut geworden sind ganz haben. meine starre altmodische vorstellung von ihnen. dieter unterstützt mich indem er mir fotos von gegenständen oder gegenden schickt die ihm ans herz gewachsen sind. er kommt nicht nach berlin. das lebensgrosse schwarzweissfoto sitzt in der ecke.

bis zum sakko kämpfe ich mich durch die ursprüngliche idee und dem was mir sonst noch einfällt. allmählich nur verändert sich meine einstellung des sehens. die innere vorstellung von den dingen spielt jetzt eine geringere rolle und ich komme besser zurecht. ja es macht freude. bloss das foto bringt probleme. es ist mir wohl sehr vertraut - ich sehe es ja auch jeden tag, aber gleichzeitig entzieht es sich meinem „sehen“ oder der sehweise die ich mir angewöhnt hatte. es passt irgendwie nicht in mein konzept. dieter musste mir bereits die hosenbeine „entwerfen“.

von dieter schon lange nichts gehört. ich weiss nicht wo er sich aufhält. ein jahr ist vergangen. ich diskutiere mein problem mit dem maler thomas hornemann. wahrscheinlich muss ich wieder einen entwurf machen - einen zwischenträger zwischen dem foto und meiner arbeit. es ist heiss in berlin und ich bin lustlos. thomas macht 3 abbildungen vom sakko. das projekt gefällt ihm. ich entscheide mich für die bunte abbildung. das anfänglich schlechte gewissen es nicht selbst gemacht zu haben verfliegt beim überdenken des gobelinkonzepts. die qualität der zufälligkeit der gegenstände im raum überträgt sich auf das foto bzw. die abbildung des fotos. ab jetzt habe ich kaum mehr probleme. meine sehweise hat sich auf vielen ebenen verändert ohne starr zu werden. im grunde müsste ich immer weiter weben. bzw. jetzt habe ich eine ahnung von dem wies eigentlich sein sollte.


Radikaler Fleiß.
Störrisch und fragil: Barbara Wien zeigt in einer raren Einzelausstellung Ingrid Wieners "Videobriefe", handgeknüpfte Gobelins und Gemeinschaftsarbeiten mit Dieter Roth
Oliver Koerner v. Gustorf

in: taz 9.8.2003

Die roh geschnittenen Videobilder, die über den Monitor in der Berliner Galerie Barbara Wien flackern, könnten den Eindruck erwecken, es handele sich um Amateuraufnahmen vom Rande der besiedelten Welt: Aus dem Auto heraus hält die Kamera Ansichten von Dawson City fest, einem Ort in Alaska, der wie eine Kulissenstadt in einem Italowestern wirkt. Zwischen Wäldern und Bergketten gelegen, ziehen sich, unterbrochen von Trailerparks und Brachland, Holzhäuser aus der Zeit des Goldfiebers an leeren Straßen entlang, die sich in der Weite der Landschaft zu verlieren scheinen.

Doch da ist diese warme Stimme Ingrid Wieners: Sanftmütig kommentiert sie aus dem Off Naturphänomene, Begegnungen mit Braunbären oder einen Besuch im lokalen Postamt. Gelegentlich taucht die Erzählerin auch selbst im Bild auf. Stets jedoch führt sie uns dorthin zurück, wo in diesem Videoband alles zu beginnen und zu enden scheint - ins Innere einer Werkstatt, an einem riesigen Webstuhl, der in einer Blockhütte in der kanadischen Wildnis steht.

"Traumbilder und Gobelins" ist der Titel einer der raren Einzelausstellungen der österreichischen Künstlerin, die seit 1986 mit ihrem Mann, dem Schriftsteller und Sprachtheoretiker Oswald Wiener, abwechselnd in Europa und Alaska lebt. Die von der Galerie als Edition herausgebrachten "Videobriefe", die Wiener zwischen 1988 und 1989 mit dem Universalkünstler Dieter Roth austauschte, bilden hierbei eine Verbindung zwischen ihren jüngeren Aquarellbildern und den Zeugnissen einer 25-jährigen Zusammenarbeit.

Von 1974 bis zu seinem Tode 1998 entstand eine Reihe von großformatigen handgeknüpften Gobelins, die Wiener nach Vorlagen anfertigte, die ihr Roth aus Island und von seinen wechselnden Wohnsitzen zuschickte. Handelte es sich bei diesen Vorlagen vornehmlich um "flache" Abbildungen wie Notizzettel, Bilder und Skizzen, steuerte Wiener im Gegenzug "tiefe" dreidimensionale Motive bei, nach Fotos gewebte räumliche Ansichten und Ausschnitte der Umgebungen, in denen sie jeweils arbeitete. Um auch auf Reisen arbeiten zu können, besorgte sie sich einen Tischwebstuhl und fertigte kleine quadratische Einzelstücke an, die später zusammengewebt wurden.

Aus der häufig über lange Zeiträume unterbrochenen Korrespondenz entwickelte sich das, was Ingrid Wiener als "eine Art von Bilderbogen aus Lebensabfällen" bezeichnete, "die zusammen gewoben ihr eigenes Leben weiterleben". Während die vier fertig gestellten, wandfüllenden Webteppiche noch bis September im Rahmen der spektakulären Roth-Retrospektive im Baseler Schaulager zu sehen sind, konzentriert sich die Berliner Ausstellung auf das Oeuvre Ingrid Wieners.

Neben den Roth-Motiven des letzten, nie vollendeten Teppichs sind auch ihre eigenen Entwürfe zu sehen, die alltägliche Dinge abbilden - eine Tasse, einen Schlauch oder einen Stiefelknecht. In ihrer Zurückhaltung sind diese gewebten Bilder gleichermaßen störrisch und fragil. Nebenbei räumen sie mit der Vorstellung auf, es handele sich bei den Roth-Wiener-Teppichen um die bloße Übertragung von bildender zu angewandter Kunst. Wie auch die Aquarelle, die Wiener seit Mitte der Neunziger systematisch anfertigt, um die Bildhaftigkeit von Träumen zu untersuchen, gehören sie zu einem Instrumentarium, das die fortlaufenden Änderungen der persönlichen Sinneseindrücke festhält und die Konventionen der Wahrnehmung hinterfragt.

Immer wieder fällt in Wieners "Videobriefen" das Wort "Fleiß". Tatsächlich erscheint das Weben der Gobelins wie das permanente Abtasten und Aufarbeiten von Bildern und Erinnerungen, die im wahrsten Sinne des Wortes im Material verknüpft werden. Die Unverzagtheit und Bescheidenheit, mit der Wiener diese Sisyphusarbeit leistet, ist an Radikalität nicht zu übertreffen.

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