Michael Beutler
  Wiener Secession 2003

Frieze Art Fair 2006

Melanie Mayr: Michael Beutler im Braunschweiger Kunstverein 2005

Pressetext / Galerie Barbara Wein, Berlin
1. März - 7. Mai 2003
Michael Beutler (geb. 1976 in Oldenburg, Studium u.a. an der Städelschule in Frankfurt) beschäftigt sich mit architektonischen Strukturen, mit Räumen und den Möglichkeiten diese umzuwandeln. Er verwendet dabei einfache, mechanische, für jeden nachvollziehbare Methoden. Räderwerke, aus Abfallholz konstruierte Maschinen, Leimvorrichtungen zur Verbindung von Metallstäben mit Stoffbahnen, Hocker mit Wellpappevorrichtung zur Kräuselung von Küchen- aluminiumfolien, Holzkonstruktionen zur Biegung von Maschendraht - das sind einige der “Werkzeuge”, die er bisher eingesetzt hat. Diese maschinenartigen Objekte, die Materialien (am Ort vorgefundene oder gekaufte) aus ihrer bekannten in eine neue Form bringen, gehören zur Arbeit, sie sind Bestandteil der Orte, die Beutler bespielt.
Nicht um Begriffe wie “Trash-Ästhetik”, sondern um logische, ökonomische Vorgänge geht es in vielen Arbeiten von Beutler. Ein Beispiel ist Whitecubeponderosa (2000): “Ausgangspunkt ist ein weißer Würfel mit drei mal drei Meter Kantenlänge, der dann freihand mit der Stichsäge in eine Hütte mit Veranda umgebaut wird. Alle Teile, die während der Transformation abfallen, werden wiederverwendet. So ist es eher Recycling als wildes Gebastel. Ich betrachte die do-it-yourself Methode als eine Möglichkeit, Normen und Standards zu hinterfragen - das kann eben der White Cube sein, ein Gartenpavillon oder eine Gipskartonplatte.” (Interview mit Beutler im Katalog Wiener Secession, 2002)
Manchmal ist bei den Objekten die Benützung durch das Publikum, die “Interaktion”, eine Begleiterscheinung, eine Ebene unter vielen wie das Objekt gelesen werden kann. Dennoch sagt Beutler deutlich. “Ich will keine sozialen Plattformen bauen und Menschen zusammenführen.”
Ein Beispiel dafür ist die Zickzackbrücke (2000), eine Holzbrücke, die nach einem Stecksystem schwere Europaletten-Hölzer miteinander verbindet. Nach einer asiatischen Überlieferung finden durch die Zickzackform die bösen Geister nicht über die Brücke vom Festland zum Tempel. Beutler baute die Brücke ursprünglich für die Hochzeitsfeier seines Bruders, der die Braut über diese Brücke ins Haus trug. Später baute er die Brücke als Beitrag zur Ausstellung “new heimat” vor dem Frankfurter Kunstverein auf, wobei das Objekt am Frankfurter Römer nicht direkt in die Ausstellung führte - die Frage der Benützbarkeit und der Funktion blieb offen.
Für Beutler war die Brücke ein Versuch, das Ritual zu kopieren und die Technik - also ein leicht auf- und abbaubares Muster oder Ornament zu produzieren. Das “Design”, das dabei wie zufällig entsteht, sieht er höchstens als ein “Nebenprodukt beim Durchspielen des Prozesses.”

Die Galerie ist neuerdings durch zwei neue Räume erweitert. Michael Beutler wird für diese Räume eine neue Arbeit entwickeln.