Petate, Petate, Turquesa, Icosahedron, 2018

Devouring time, 2018

Tonalamatl III, 2018

Xipe, Turquesa, Petate, Turquesa, Xipe, 2018

Scorpion time II, 2018

Tecpatl II, 2018

Mariana Castillo Deball
das Haut-Ich

28. April – 25. August 2018
Eröffnung: 27. April, 18 – 21 Uhr

Zum Gallery Weekend 2018 präsentieren wir die vierte Einzelausstellung von Mariana Castillo Deball in unserer Galerie.

das Haut-Ich

"Thoughts are thoughts of the body: one’s own body, other bodies; thinking seeks to bring thoughts together in a body of thoughts." Didier Anzieu

Das Haut-Ich ist ein Konzept, das durch den französischen Psychoanalytiker Didier Anzieu geprägt wurde und die Haut mit der Bildung des Ichs in Beziehung setzt. Für Anzieu sind sowohl das Gehirn, als auch die Haut Oberflächengebilde. Die Ausstellung erkundet diese geistigen und körperlichen Häute durch einen mesoamerikanischen Zeit-Raum-Kalender und das Symbol einer zweiten, geteilten Haut. Sie umfasst eine Serie neuer Skulpturen, Zeichnungen und eine architektonische Intervention.

Die Arbeiten der Ausstellung ziehen Verbindungen zwischen dem Körper und der Vermessung von Raum und Zeit. Als Ausgangspunkte dienen Mariana Castillo Deball ein Kalender und das göttliche Wesen Xipe Totec.

Der tonalpohualli ist eine kosmologische Methode für die Messung von Zeit. Erste Belege für den mesoamerikanischen Kalender stammen aus dem 6. Jahrhundert vor Christus in Form von Kalender- und Zahlzeichen, die als Reliefs in Steinmonumente in Oaxaca geschnitzt wurden. Er wird nicht nur dazu verwendet, Zeit zu messen, sondern ist auch ein System zur Erfassung räumlicher Koordinaten und wichtig für die Landwirtschaft, sowie für rituelle Opferhandlungen. Die Götter, Ereignisse und andere Elemente, die er als Prophezeiungen beinhaltet, definieren die Art, wie die Menschen ihre Handlungen durchführen und was für eine Person sie voraussichtlich werden.

Der tonalpohualli-Kalender umfasst 260 Tage, die sich aus 2 Zyklen zusammensetzen: aus einem Zyklus mit 20 Tageszeichen und einem kürzeren mit 13 Nummern. Jeder Tag ist eine Kombination aus einem Tageszeichen und einer Nummer, die parallel verlaufen bis alle Kombinationen erschöpft sind. Der Tag 1 Krokodil ist immer gefolgt von 2 Wind, 3 Haus, 4 Eidechse und so weiter, bis der kürzere Kreis mit 13 Nummern bei 13 Schilfrohr endet. Danach beginnt es von vorne mit der Nummer 1, die Kombinationen gehen jedoch mit den verbleibenden Tageszeichen weiter: 1 Jaguar, 2 Adler und so weiter.

In dem Kalender ist die Verbindung zwischen dem Körper und der Umwelt präsent, z.B. entsprechen die Tageszeichen Teilen des Körpers. Der Saft des Amatl-Baums, der zur Papierherstellung verwendet wurde, steht für Blut, der Rauch eines Feuers für den menschlichen Atem und die Baumrinde für menschliche Haut. Dies ist in der indigenen Weltentstehungslehre ein Spiel von Austausch und Umwandlungen. Ausgehend von der Haut und ihrer Körperlichkeit geben auch andere Materialien Form und Identität. Sie verstofflichen, aber ersetzen und personifizieren auch, nicht nur durch visuelle Analogien, sondern auch durch subtile materielle Beziehungen.

In diesem Kalender wird die Gottheit Xipe Totec oft als ein Mann dargestellt, der die abgezogene Haut eines anderen über der eigenen trägt. Das jährliche Fest zu Ehren bestand aus der Opferung eines Menschen und die Verwandlung einer anderen Person durch das Tragen der Haut der geopferten Person. Das Nahua-Konzept ixiptla kommt von dem Partikel xip, das soviel wie Haut, Bedeckung oder Schale bedeutet. Als natürliche äußere Gewebeschicht, die den Körper einer Person oder eines Tieres bedeckt, kann die Haut vom Körper getrennt werden um Kleidungsstücke, Behälter für Flüssigkeiten oder Pergament als Schreiboberfläche herzustellen. Ixiptla wird verstanden als Bild, Abgesandter, Figur und Vertreter.

Im Rahmen unserer Ausstellung wird Mariana Castillo Deball die vierte Ausgabe von Ixiptla vorstellen, einer Reihe von kollaborativen Forschungszeitschriften, die von Bom Dia Boa Tarde Boa Noite in Berlin herausgegeben werden.

Parallel zu der Eröffnung unserer Ausstellung eröffnet die Ausstellung Hello World. Revision einer Sammlung im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart in Berlin, in der drei Hauptwerke von Deball ausgestellt werden. Die Keramiksäulen Rhomboid, Mechanical Column und Snake, die 2015 in unserer Galerie gezeigt wurden, sind Teil ihres Projekts Who will measure the space, who will tell me the time?. Die Ausgangsfrage für das Projekt war, welche Beziehung die Töpfer in Atzompa (Oaxaca) zu ihrem archäologischen Erbe haben, wie sie sich heute zeigt, verändert und teilweise in Auflösung begriffen ist. Verschiedene Formen sind in den Tonmodulen zu erkennen: vorspanische Figuren, Muttern, Schrauben, Spielzeuge und Brancusis berühmten Rauten der Endlosen Säule. Die Ausstellung im Hamburger Bahnhof läuft bis zum 26. August.


Mariana Castillo Deball (*1975 in Mexico City) lebt und arbeitet in Berlin. 2013 gewann sie den Nationalgaleriepreis für junge Kunst, worauf 2014 die Einzelausstellung Parergon im Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart in Berlin folgte. Deball hatte Einzelausstellungen im In- und Ausland, u.A. im San Francisco Art Institute, im Musée Régional D‘Art Contemporain Languedoc-Roussillon in Sérignan, im Museo de arte contemporáneo de oaxaca maco in Oaxaca und im Haus Konstruktiv in Zürich. Des Weiteren nahm sie an zahlreichen Gruppenausstellungen teil.
2018 hat Deball eine Einzelausstellung im Savannah College of Art and Design Museum (SCAD) und ihre Arbeiten sind u.A. zu sehen im Hamburger Bahnhof, Berlin, sowie in der Fondazione Sandretto Re Rebaudengo in Turin. In der Ausstellung Statues also Die. Conflict and heritage from the ancient world to the modern day in Turin ist Deball‘s Mschatta Fassade, die Hauptarbeit aus ihrer Parergon Ausstellung, im Palazzo Reale’s Salone delle Guardie Svizzere noch bis zum 9. September zu sehen.

Mariana Castillo Deball
das Haut-Ich

April 28 – August 25, 2018
Opening: April 27, 6 – 9 pm

In conjunction with Gallery Weekend 2018, we will present the fourth solo exhibition by Mariana Castillo Deball at our gallery.

das Haut-Ich

"Thoughts are thoughts of the body: one’s own body, other bodies; thinking seeks to bring thoughts together in a body of thoughts." Didier Anzieu

The Skin-Ego is a concept coined by French psychoanalyst Didier Anzieu on the relations between the skin and the formation of the ego. For Anzieu, both the brain and the skin are surface entities. The exhibition explores these mental and bodily skins through a time-space calendar and a shared skin, and includes a series of new sculptures, drawings and an architectural intervention.
The works draw a vis-à-vis between the body and the measuring of space and time, taking a calendar and the deity Xipe Totec as a starting point.

The tonalpohualli is a cosmological technology for the count of time. The first evidence of the Mesoamerican calendar dates to the VI century BC in the form of calendrical signs and numerals carved in relief on stone monuments in Oaxaca. Apart from measuring time, it is a divinatory system entangling spatial coordinates, agriculture and ritual sacrifices. The Gods, events and other elements it carries as augural messages, define the way people conduct their affairs and even what kind of people they are likely to become.

The tonalpohualli is a calendar of 260 days, composed of two cycles: a cycle of 20 day signs and a shorter cycle of 13 numbers. Each day is a combination of a day sign and a number, and they run concurrently until all the combinations are exhausted. The day 1 Crocodile is always followed by 2 Wind, 3 House, 4 Lizard, and so on, until the shorter 13 number cycle ends with 13 Reed, after which it starts anew with 1, yet continues to combine with the remaining day signs - 1 Jaguar, 2 Eagle and so forth.

The connection between the body and the environment is present in the calendar, for instance the signs of the days and the body parts maintain a correspondence. The sap of the amate tree used to make paper is blood, the smoke of fire is human breath, and the tree bark is human skin. It is a game of substitutions and transmutations in the indigenous cosmogony. Departing from the skin and its materiality, the material gives shape and identity. It materializes but also substitutes and personifies, not only by visual analogies but also by subtle material relations.

In the calendar, the deity Xipe Totec is often depicted as a man wearing the flayed skin of another on top of his own. The annual festival related to Xipe Totec consisted of the sacrifice of the victim, and the transfiguration of another person through wearing the skin of the sacrificed.
The Nahua concept of ixiptla derives from the particle xip, meaning skin, coverage or shell. As a natural outer layer of tissue that covers the body of a person or animal, the skin can be separated from the body to produce garments, containers for holding liquids or parchment as a writing surface. Ixiptla has been understood as image, delegate, character and representative.

Within the frame of our exhibition, Mariana Castillo Deball will present the fourth issue of Ixiptla: a series of collaborative research journals published by Bom Dia Boa Tarde Boa Noite in Berlin.

Parallel to the opening of our show, the exhibition Hello World. Revising a Collection opens at the Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart in Berlin where three major works by Mariana Castillo Deball will be on display. The ceramic columns Rhomboid, Mechanical Column and Snake that have been shown at our gallery in 2015 are part of her project Who will measure the space, who will tell me the time?. The initial question for the project was what relationship the Atzompa potters have with their archeological heritage and how it is expressed, contaminated or dissolved in the present. Several patterns can be identified among the different ceramic modules of the columns: pre-Hispanic figures, screws, toys or even Brancusi‘s famous rhomboids from the Endless Column. The exhibition at Hamburger Bahnhof Berlin will be on view until August 26.

Mariana Castillo Deball (*1975 in Mexico City) lives and works in Berlin. In 2013 she won the Nationalgaleriepreis für junge Kunst (National Gallery Prize for Young Art), which led to her solo exhibition Parergon at the Hamburger Bahnhof – Museum for Contemporary Art, Berlin in 2014. Deball has had solo exhibitions, nationally and internationally, at the San Francisco Art Institute, Musée Régional D‘Art Contemporain Languedoc-Roussillon in Sérignan, Museo de arte contemporáneo de oaxaca maco in Oaxaca and in Haus Konstruktiv in Zurich, among others. She has also taken part in numerous group exhibitions.

In 2018, Deball has a solo exhibition at the Savannah College of Art and Design Museum (SCAD) and her works are on show at the Hamburger Bahnhof, Berlin, as well as at the Fondazione Sandretto Re Rebaudengo in Turin, among others. In the show Statues also Die. Conflict and heritage from the ancient world to the modern day in Turin, the Mschatta Fassade – Deball‘s main work from her Parergon exhibition – is shown in the Palazzo Reale’s Salone delle Guardie Svizzere until September 9.