Ludwig Gosewitz, Wurftext, 1962

Ludwig Gosewitz, Wahrheitsprofil, 1973

Ludwig Gosewitz, 2 Portraits / Dyptychon

Ludwig Gosewitz, Glasses from the estate of Ludwig Gosewitz, 1978-1998

Ludwig Gosewitz, Even Retrograde Is Beautiful, 2002

Ludwig Gosewitz
Alles ist auch nur da, damit das, was nicht da ist, entlastet wird.

1. Oktober - 3. Dezember 2010
Eröffnung Freitag 1. Oktober, 18-21 Uhr
um 19 Uhr KOSMISCHE OPER, Texte von Ludwig Gosewitz laut von Martin Engler

Ludwig Gosewitz (1936 – 2007) begann 1960 mit dem Publizieren in den „Marburger Blättern“, 1962 erschienen seine „typogramme 1“ in der Eugen Gomringer Press und zur gleichen Zeit verband er sich mit dem engeren Kreis um Fluxus. Emmett Williams, Gerhard Rühm, Robert Filliou, Dieter Roth und Tomas Schmit gehörten seit dieser Zeit zu seinen Freunden.
Gosewitz’ Interesse an offenen Aufführungsformen, an Konkreter Poesie und die Kombination mit Sprachforschungen führten ihn zu Beginn seiner künstlerischen Arbeit zu Werken wie den „Wurftexten“ – eine Schrift-Bild-Kombination aus Sprache und Zeichnung.
Die intensive Auseinandersetzung mit Sprache und Umgangssprachlichem bestimmte auch später seine Texte und „medleys“. Sie gehen zurück auf seine Studien an der Marburger Universität (1958 – 1965). Dort arbeitete er am „Deutschen Sprachatlas“ mit, wo es um die Erforschung regionaler und sozialer Differenzen des Sprachgebrauchs ging. Walter Grasskamp: „Das genaue Ohr für die Nuancen der Umgangssprache und der Sinn für ihre Komik verdankt sich maßgeblich dieser Hör-Erfahrung und damit einem akademischen Projekt, das völlig unakademische Folgen zeitigte.“

In den 60er Jahren begann Gosewitz zusammen mit Tomas Schmit eine Form des Zeichnens zu entwickeln, die ihn später zu seinen astrologischen Diagrammen und Zirkelkonstruktionen führte. Neben Aktionen wie dem „eintagesverlag“ (1965) und der „eintagestournee“ (1966), entstand das gemeinsame Zeichenbuch „von phall zu phall“ (1966) sowie das „inversive Zeichnen“. Schon 1965/66 riefen Gosewitz und Schmit „das persönliche zeitalter“ aus. In einem Manifest schrieben die beiden:
„das persönliche zeitalter stellt die neuen wörter vor: entschieden. leise. dauernd. direkt. einheitlich. original. spontan. menschlich. nicht unterscheidbar. selbstbewußt. wesentlich.“
Ludwig Gosewitz entwickelte diese Grundsätze weiter in der Beschäftigung mit Astrologie und ihrer Darstellbarkeit und ab 1971 auch in der Arbeit mit Glas. In Zwiesel und Pilchuck erlernte und übte er sich in den verschiedenen Techniken der Glasbläserei. Ab 1988 war er Professor an der Akademie der Bildenden Künste München und betreute dort die Glasklasse. Das Arbeiten mit Glas ermöglichte ihm einen Ausgleich zur Strenge der mathematisch-geometrischen Zeichnungen.

Unsere Ausstellung umfaßt Werke von 1962 bis 2007. Wir haben die letzte von Ludwig Gosewitz selbst eingerichtete Einzelausstellung, die in der Galerie Jürgen Becker in Hamburg im Sommer 2007 stattfand, teilweise rekonstruieren können und seine Werkkombinationen in der Hängung beibehalten. In Zusammenarbeit mit den Erben von Ludwig Gosewitz und verschiedenen Sammlern haben wir eine kleine retrospektive Ausstellung entwickelt.


Am Abend der Eröffnung, Freitag 1. Oktober um 19 Uhr liest Martin Engler Texte von Ludwig Gosewitz in den Räumen der Galerie in der Linienstr. 158.

Ludwig Gosewitz
Alles ist auch nur da, damit das, was nicht da ist, entlastet wird.

October 1 – December 3, 2010
opening Friday October 1, 6 - 9 pm
lecture at 7pm KOSMISCHE OPER, texts of Ludwig Gosewitz tone of Martin Engler

1960 Ludwig Gosewitz (1936 – 2007) began to publish in the „Marburger Blätter“. In 1962 his „typogramme 1“ were edited in the Eugen Gomringer Press. At the same time he joined the inner circle of Fluxus. Since then he was closely connected to Emmett Williams, Gerhard Rühm, Robert Filliou, Dieter Roth and Tomas Schmit. His interest in chance operations and open performance practices, in Concrete Poetry and the combination with language researches led him to his early works like the „Wurftexte“ – a text-picture-mixture.
The intense preoccupation with language und colloquial speech defines his texts and „medleys“. They stem from his studies at the University in Marburg (1958 –1965). There he has contributed to the „Deutscher Sprachatlas“, which is about the origins of regional and social differences in the use of language. Walter Grasskamp: „The precise ear for the nuances of the colloquial speech and the sense for its humor is mainly funded in this experience of hearing and thus an academic project which yielded to an completely unacademic solution.“

In the 60ies Ludwig Gosewitz and Tomas Schmit started to develop special ways to draw which head Gosewitz to his later astrological diagrams and compass drawings. Next to the collaboration events with Tomas Schmit, like „eintagesverlag“ (1965) and „eintagestournee“ (1966), they draw the book „von phall zu phall“ (1966) and they experimented with a drawing method they called „inversions“. Already in 1965/66 Gosewitz and Schmit proclaimed „the personal age“. In an manifesto they wrote: „the personal age is introducing new words, like: decided. quiet. permanent. direct. consistent. original. spontaneous. human. not distinguishable. self-conscious. basic.“
Gosewitz realised these fundamentals in his drawings. He found methods to transfer astrological birth constellations in a visual system. Via compasses and colours he translated the scientific knowledge about planetes and constellations into geometrical watercolours and gouaches.
In 1971 he began to create mouth-blown glass objects. With the years the glasses became another big part of his oeuvre. The process of producing the colourful vases and bowls, the working with the hot glass, functioned like an opposite pole to the geometrical and mathematical based drawings in terms of unpredictability and chance. From 1988 – 2001 Gosewitz worked in the Academy of Art in Munich as professor for glass art.

Our exhibition presents works from 1962 to 2007. We partly reconstructed and kept the presentation of Ludwig Gosewitz‘ last exhibition in 2007 at Jürgen Becker Gallery in Hamburg. In collaboration with the estate of Gosewitz and collectors we developed a small retrospective overview.


Friday 1st of October at 7 pm the actor Martin Engler will read texts by Ludwig Gosewitz in our gallery in Linienstr. 158.