Isa Melsheimer, Moto Guzzi

Isa Melsheimer, Christoph

Isa Melsheimer, Stern / Taschkent

Isa Melsheimer, Kawasaki

Isa Melsheimer, Gouache Nr. 237

Isa Melsheimer
Das Durchdrehen der Schraube

Eröffnung 1. Mai 2009, 16 - 21 Uhr
Dauer der Ausstellung bis 4. Juli 2009

Isa Melsheimer (* 1968 in Neuss) leitet in ihrer Arbeit ein analytisches Interesse an Fragen zur Architektur, Stadtplanung und Design. Sie untersucht diese Bereiche anhand von Modellen. Oft beginnt sie damit, daß sie zuerst einmal den Raum der eigenen Ausstellung thematisiert. Sie geht auf dessen Geschichte, Funktion und Bauweise ein und verändert nicht selten die Raumerfahrung durch ein verwirrendes Spiel der Perspektiven und Proportionen.
Auch in ihrer vierten Einzelausstellung in der Galerie Barbara Wien, die am 1. Mai als Beitrag zum gallery-weekend Berlin eröffnet wird, ist ihr wieder so eine irritierende Arbeit gelungen. Sie hat in die obere Etage des verwinkelten, organisch gewachsenen Galerieraums, dem auch eine Buchhandlung angeschlossen ist, eine 22 Meter lange Rigipswand eingebaut. Sie betont damit zwei Eigenarten der Galerie: die für einen Bau des 18. Jahrhunderts ungewöhnliche Länge des Raumes, die sich durch die Vergrösserung der Galerie und verschiedene Wanddurchbrüche ergab und die Tatsache, daß die Eingangstür zur Strasse gar nicht als solche genutzt wird. Da die Rigipswand jetzt für jeden sichtbar den Zugang von der Strasse her versperrt – sie endet mitten auf der Tür – wird diese Merkwürdigkeit betont, die ungewöhnlich ist, aber durchaus einen konzeptionellen Hintergrund hat – die Besucher sollten eben nicht durch die Galerie zu den Büchern, sondern durch die Bücher zur Galerie kommen.

In diesem durch die Rigipswand stark veränderten Raum platziert Isa Melsheimer andere Arbeiten, die sich mit Transformationen beschäftigen und mit der Frage wie Wandel vor sich geht. In einem Bild stickt sie acht Übersetzungen des englischen Titels der Novelle The Turn of the Screw von Henry James (1843-1906): Das Durchdrehen der Schraube / Die Drehung der Schraube / Schraubendrehungen / Bis zum Äußersten / Die sündigen Engel / Die Unschuldsengel / Die Besessenen / Das Geheimnis von Bly. Sie weist damit auf die Bedeutungsverschiebung hin, die dem Text durch alle Interpretationsversuche hindurch gegeben wurden, ohne daß eine Interpretation die andere wirklich ersetzen könnte. Auf einem anderen Bild ist eine Abbildung des Palasts der Republik in Berlin zu sehen. Einige Ruinen des noch nicht ganz abgerissenen Gebäudes erwecken den Eindruck, als würden hier schon neue Häuser gebaut. Mit drei Objekten bezieht sie sich auf ganz private Ruinen – Kleidungsstücke, die sie so oft getragen hat, daß die Flickstellen mehr Raum einnehmen als der ursprüngliche Stoff.
Außerdem zeigt sie eine Skulptur Stern/Taschkent. Es ist eine Nachbildung der sternförmigen Blumenkübel, wie sie in Taschkent, der Hauptstadt von Usbekistan, vor dem ehemaligen Regierungsgebäude stehen.
Ergänzt wird die Ausstellung durch neue Gouachen. Alle Arbeiten stammen aus dem Jahr 2009.

Neu erschienen:
Isa Melsheimer / Kunstpreis der Stadt Nordhorn 2008
Katalog (Dt./Engl.). Text von Roland Nachtigäller, Interview mit Isa Melsheimer von Katrin Wittneven. 32 Seiten, s/w und farbige Abbildungen, 26,5x21,5 cm, Drahtheftung. Nordhorn 2009
17 Euro

Isa Melsheimer
Das Durchdrehen der Schraube

opening 1st of May 2009, 4 - 9 pm
duration till 4th of July 2009

Isa Melsheimer‘s (*1968 in Neuss, Germany) works stem from an analytic interest whose subject is the examination of architecture, urban planning and design. She enquires into their social conditioning by building models. Often she brings the exhibition space into focus at the beginning. She responds to the history of the gallery space, its construction and functioning and she quite frequently modifies the spatial perception of the venue by confusingly playing with perspectives and proportions.
The gallery-weekend berlin will be opened on May 1 with Melsheimer’s fourth solo exhibition at Galerie Barbara Wien. Once again Melsheimer produced a work that deals with the spatial perception of the exhibition space: the artist built a 22 meter long plaster board in the upper floor of the angled gallery space with the incorporated bookshop that grew organically to its current shape. Thereby she emphasizes the specific characteristics of the gallery: the length of the perspective of the room that is unusual for a building of the 18th century. The dimensions of this perspective are the result of several wall breakthroughs in order to extend the gallery. The second particularity is based on the fact that the entrance door facing the street has never been in use. Since the wall ends in the middle of the door, the plaster board apparently blocks the access from the street now. Melsheimer’s wall installation focuses this curiosity which is unusual, but also based on a conceptual decision: visitors aren’t supposed to approach the bookshop via the gallery, they should come via the bookshop to the gallery.

The wall evokes an alteration of the venue. Here Melsheimer presents new works that deal with the question how transformation is experienced. In one of the pictures she stitches eight different translations of the title of the English novel The Turn of the Screw written by Henry James (1843-1906): Das Durchdrehen der Schraube / Die Drehung der Schraube / Schraubendrehungen / Bis zum Äußersten / Die sündigen Engel / Die Unschuldsengel / Die Besessenen / Das Geheimnis von Bly. Hereby she points out at the diversity in interpretation of the famous text, certainly each approach to interpretation could not replace the others. Another work shows the Palace of the Republic in Berlin. Some of the ruins of the not-yet-demolished building almost lead to the conclusion that new buildings would already put up. Three objects refer to private “ruins” – pieces of clothing that Melsheimer had worn so often, that there are more patches than the original fabric.
Furthermore Melsheimer shows a sculpture Stern/Taschkent. It is a reproduction of the star-shaped flower buckets that can be found in Tashkent, the capital of Uzbekistan, in front of the former government building.
In addition the exhibition presents new gouaches. All works stem from 2009.

New publication:
Isa Melsheimer / Kunstpreis der Stadt Nordhorn 2008
Catalogue (German/Engl.). Text by Roland Nachtigäller, interview with Isa Melsheimer by Katrin Wittneven.
32 pages, b/w and color photographs, 26,5x21,5 cm, stapled. Nordhorn 2009
17 Euro