Tomas Schmit, weshalb zebras, fische u.s.w. gestreift sind, 2004

Tomas Schmit, zebras sind nicht durchsichtig und fische keine gleichphasler, 2004

Tomas Schmit, an florence, 2001

Tomas Schmit, cover von erster entwurf (einer zentralen ästhetik), published 1989

Tomas Schmit, kleines huhn, 2004

Tomas Schmit
Dreizehn Montagsgespräche, Zeichnungen und Editionen

Eröffnung 2. Mai 2008, 18 - 21 Uhr, Dauer der Ausstellung bis 20. August 2008
(Sommerpause 29. Juli – 4. August 2008)

Unsere Ausstellung ist eine Hommage an den 2006 verstorbenen Künstler Tomas Schmit und zugleich feiern wir sein letztes Buchprojekt: Tomas Schmit / Wilma Lukatsch Dreizehn Montagsgespräche, das soeben im Wiens Verlag erschienen ist. In der Ausstellung zeigen wir Zeichnungen und Editionen aus allen Werkphasen von den 70ern bis 2005.

Die Dreizehn Montagsgespräche fanden von Juni bis Dezember 2005 in Berlin statt. Mit erfrischendem Sprachwitz, gleichzeitig ernst und unterhaltsam, wird man in die biographischen Daten und künstlerischen Fragen und Prinzipien von Tomas Schmit eingeführt. Dazu zählen vor allem „Zurücknahme“, „Spiel“ und „sachen m a c h e n “. Das Neue an der Kunst der 60er Jahre (die Beschäftigung mit Indeterminismus, Chaos und Ordnung, aleatorischem Prinzip), die Aktionszeit und die besondere Form des Schreibens und Zeichnens, für die sich Tomas Schmit entschieden hatte, werden genauso besprochen wie Literaten, Musiker oder Wissenschaftler, die für ihn von Bedeutung waren. Dazu gehörten Gertrude Stein, Franz Kafka, Robert Walser, Karl Valentin, John Cage, Morton Feldman, Georg Christoph Lichtenberg und William Hogarth. Im Anhang finden sich Texte von Tomas Schmit, die in den Gesprächen eine besondere Rolle spielen und die entweder schwer zugänglich sind oder bisher unveröffentlicht waren. Die 288 farbigen Abbildungen dokumentieren die meisten der besprochenen Werke.

Tomas Schmit gehörte zu den Pionieren der Fluxus-Bewegung in den frühen 60er Jahren. Er hat die radikale Infragestellung der bürgerlichen Kunst und die Ansätze zu einer neuen Ästhetik wesentlich mitgeprägt. Sein Briefwechsel mit George Maciunas führte dazu, daß eine theoretische Auseinandersetzung mit den politischen und ästhetischen Vorstellungen der Fluxuszeit möglich geworden ist. Er hat an Fluxusevents teilgenommen, die heute als Meilensteine der Kunst der 60er Jahre gelten. Als Veranstalter organisierte er das Event „20. Juli TU Aachen“ 1964. Sein Text „über f.“ (1982) ist eine der wenigen profunden Einschätzungen der Fluxusideen.
Tomas Schmit hat sich früh von der Fluxusaktion zurückgezogen – er war gegen die Verwässerung des radikalen Potentials. In diesem Potential gründete sein wohl wichtigstes Arbeitsprinzip: „was ich, neben vielem anderen, von f. gelernt habe: was man mit einer plastik bewältigen kann, braucht man nicht als gebäude zu errichten; was man in einem bild bringen kann, braucht man nicht als plastik zu machen; was man mit ner zeichnung erledigen kann, braucht man nicht als bild zu bringen; was man auf nem zettel klären kann, braucht keine zeichnung zu werden; und was man im kopf abwickeln kann, braucht nichtmal einen zettel!“ Freunde und Kollegen, wie Nam June Paik, George Brecht, Arthur Köpcke, Ludwig Gosewitz, Emmett Williams und Dieter Roth haben ihn besonders für diese konsequente künstlerische Haltung geschätzt.
Seit Anfang der 70er Jahre entwickelte er ein Werk, das mehrere tausend Zeichnungen umfaßt, veröffentlichte Editionen und Bücher, in denen er sich mit Sprache, Logik, Paradoxie, Biologie, Verhaltensforschung, Wahrnehmung und anderem beschäftigte. Dabei ist er immer von konkreten Beobachtungen ausgegangen und hat sich mit Neugier und Lust widersprüchlichen oder unerklärlichen Phänomenen gestellt. Er nannte es „Scharren am Zaun“. Mit seinem Buch „erster entwurf (einer zentralen ästhetik)“ (1989) hat er eine in der Wissenschaft anerkannte Einführung in die Gehirnforschung geliefert.

Wilma Lukatsch (*1977) lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte von 1997–2004 Kunstgeschichte, Religionswissenschaft und Soziologie in Berlin und Potsdam. 2004 schloß sie das Studium an der Humboldt Universität mit einer Magisterarbeit über die Methode der Bildbeschreibung bei Max Raphael ab. Seit 2004 arbeitet sie in der Galerie und Buchhandlung Barbara Wien. Dort lernte sie Tomas Schmit kennen und bereitete im Frühjahr 2005 die Gespräche vor.

Tomas Schmit
Dreizehn Montagsgespräche, Zeichnungen und Editionen

opening 2nd of May 2008, duration till 20th of August 2008
(summer recess from July 29 – August 4)

Our exhibition is a homage to the artist Tomas Schmit, who died in the year 2006. At the same time it is a celebration for his last book project: Tomas Schmit / Wilma Lukatsch Dreizehn Montagsgespräche (Thirteen Monday-Talks), which was just released in Wiens Verlag. In the exhibition we show drawings and editions from all his artistic phases, reaching from the 70s up to 2005.

The Dreizehn Montagsgespräche (Thirteen Monday-Talks) took place in Berlin from June to December 2005. With great wit the interviews, at the same time serious and entertaining, introduce the biographic facts and the artistic questions and principles – especially „Zurücknahme“ (reduction to the essentials with a gesture of modesty), „Spiel“ (game) and „sachen m a c h e n “ (d o i n g things) – of Tomas Schmit to the reader. The innovations in the 60’s art (dealing with indeterminism, chaos and order, aleatoric principle), the phase of performances and the special form of writing and drawing, which Tomas Schmit had chosen, are discussed as well as writers, musicians and scientists, who were influential on his work and life – including people like Gertrude Stein, Franz Kafka, Robert Walser, Karl Valentin, John Cage, Morton Feldman, Georg Christoph Lichtenberg und William Hogarth. The appendix contains texts and essays written by Tomas Schmit, which play a central role in the interviews and which are either difficult to obtain or unpublished until now. The 288 images cover most of the discussed works.

Tomas Schmit was one of the pioneers of the Fluxus-Movement in the early 60s. He had a major part in determining the challenge of the bourgeois art and defining the approaches towards a new aesthetic. His correspondence with George Maciunas made a theoretical examination of the political and aesthetic ideas of Fluxus possible. Tomas Schmit participated in fluxus-events, which are today considered to be milestones in the art of the 60s. He organized the famous event „20. Juli TU Aachen“ 1964. His essay „on f.“ (1982) is one of the few profound evaluations of the Fluxus ideas.

Tomas Schmit decided early to withdraw from fluxus-events – he opposed the dilution of the radical potential. In this potential the probably most important principle of his work can be found: „what i learned from f., along with many other things: what can be mastered by a sculpture, doesn’t have to be erected as a building; what can be brought by a painting, doesn’t have to be made as a sculpture; what can be accomplished in a drawing, doesn’t have to become a painting; what can be cleared on a scrap of paper, doesn’t need to be done as a drawing; and what can be settled in the head, doesn’t even require a paper scrap!“ Friends and comrades like Nam June Paik, George Brecht, Arthur Köpcke, Ludwig Gosewitz, Emmett Williams and Dieter Roth appreciated him especially for this consistent artistic position.
Since the early 70’s he developed an oeuvre with thousands of drawings, published books and editions, in which he deals with language, logic, paradoxicality, biology, behaviour research, perception and other topics. Thereby he always started with concrete observations and confronted the contradictory or unexplainable phenomena with curiosity and delight. He called that approach „Scharren am Zaun“ (scratching the surface). With his book „erster entwurf (einer zentralen ästhetik)“ (first draft (of central aesthetics)) (1989) he delivered an introduction to brains research, which was approved by the sciences.

Wilma Lukatsch (*1977) lives and works in Berlin. From 1997 to 2004 she studied history of the arts, religious studies and sociology. She graduated 2004 from the Humboldt University with her thesis on Max Raphael’s method of image description. From 2004 on she works in the gallery and bookshop Barbara Wien. There she met Tomas Schmit and prepared the interviews in the spring of 2005.