Speeches, 2018

exhibition view, 2018

exhibition view, 2018

We Will Not, 2018

Black Confetti, 2018, Detail

Black Confetti, 2018

White Confetti, 2018, Detail

White Confetti, 2018

Dave McKenzie
Speeches Speeches Speeches

3. März - 14. April 2018
Eröffnung: Freitag, 2. März, 18-21 Uhr

Gespräch zur Ausstellung mit Dave McKenzie

In deiner dritten Ausstellung bei Barbara Wien zeigst du neue Arbeiten. Manche sind eine Weiterführung von An Intermission, einer Serie von Bannern, die mit verschiedenen Arten von Bildern bedruckt sind. Manchmal werden sie von Text begleitet. Zum Beispiel “We Will Not” steht über dem Bild einer Flasche, in der sich "natural vitamins" befinden sollen, unter dem angeschnittenen Portrait eines Geschäftsmannes steht “Speeches”. Die Quellen, Zusammenhänge und Bedeutungen der Bilder sind oft mehrdeutig; sie entziehen sich einer einfachen und schnellen Interpretation des Betrachters. Darüber hinaus bearbeitest du häufig die Bilder stark, indem du sie etwa beschneidest. Kannst du uns mehr über die Bildquellen verraten und nach welchen Kriterien du sie auswählst?
Die Bilder kommen aus einer Sammlung von 35mm Dias, die ich vor einigen Jahren auf Ebay gekauft habe und die Reisebilder, Familienportraits und andere Fotogenres umfasst. Sie gehörte einer Privatperson, die viel gereist ist. Ich habe mit diesen Bildern zu unterschiedlichen Zeiten und in verschiedenen Zusammenhängen gearbeitet, aber ich habe so viele, dass ich sie nie alle angeschaut habe. Wenn ich ein neues Projekt beginne gehe ich einen Teil des Archivs durch und versuche einige Bilder auszuwählen, die etwas außerhalb des Sichtbaren suggerieren. Oft hat diese Aufgabe nichts zu tun mit den Intentionen des Fotografen oder den abgebildeten Personen. Indem ich sie modifiziere, versuche ich auch sie zu aktualisieren, sie weniger eindeutig zu machen und andere Lesarten zu ermöglichen. Wenn ich mich auf ein Bild festlege, dann normalerweise weil ich denke es spricht etwas an, das sich aktuell und dringlich anfühlt - dadurch ist es ein bisschen wie eine Zeitungs- oder Zeitschriftenseite zu entwerfen.

Banner haben einen starken symbolischen Wert durch eine lange Tradition unterschiedlicher Verwendungszwecke in Religion, Werbung, bei Protesten oder in der Politik. Für Demonstrationen and Paraden sind Banner performative Objekte, da sie ein Statement verstofflichen, es sichtbar und in einem bestimmten Raum präsent machen. Kannst du uns mehr über die Auswahl dieses Mediums erzählen? Beziehst du dich auf einen spezifischen Bereich, in dem Banner üblicherweise genutzt werden, z.B. in der Reklame oder auf Demonstrationen? Könnten diese Banner auch als Requisiten für Performances dienen?
Ich arbeite oft mit Medien, die jeder auf den ersten Blick erkenntund die Banner passen definitiv in diese Kategorie, aber sie kommen aus keinem bestimmten Bereich oder aus einer bestimmten Tradition. Ich glaube sie sind wahrscheinlich ein Mix aus all den Traditionen, die du erwähnt hast. Hauptsächlich möchte ich sie als Plattform für potentielle Handlungen sehen – ob real oder nur in der Vorstellung.

Banner sind Objekte der Kommunikation, die Sprache in etwas Visuelles verwandeln. In früheren Arbeiten hast du dich mit der Unmöglichkeit des Redens beschäftigt, bzw. mit der Schwierigkeit, zu reden, aber nicht verstanden zu werden (Babel, 2000), damit, das Wort an jemanden zu richten (Treffen mit Henry Kissinger in Camera, 2012) und du hast auch schon von dir selbst mehrere stumme Nachbildungen angefertigt (Self-Portrait Pinata, 2002). Wie siehst du deine Ausstellung Speeches Speeches Speeches in diesem Kontext?
Kürzlich hielt Oprah Winfrey eine wirklich eindringliche Rede bei den Golden Globes und die Reaktionen auf die Rede drehten sich hauptsächlich darum, ob sie als Präsidentin kandidieren würde. Der eigentliche Inhalt der Rede wurde in den Hintergrund gedrängt von dem, was man als ihr eigentliches Anliegen ansah. Ich denke darüber nach und über die Schwierigkeit, gehört und verstanden zu werden. Die Banner versuchen etwas aus diesem schwierigen Raum zu machen; ich mache mir weniger Gedanken darum, ob ich verstanden wurde, als darum, was man glaubt, gehört zu haben. Für mich ist es gut, dort zu beginnen.

Die Texte auf deinen Bannern haben ein interessantes Format, ich habe den Eindruck du imitierst oder zitierst den Schriftstil, den man auf typischen Bannern finden kann. Ob in der Werbung oder als politische Slogans, sind dies oft kurze, eingängige Sätze mit einem fast konstanten Gebrauch von Subjektpronomen: du, wir und sie. An wen wendest du dich? Wer sind "wir" im Gegensatz zu "ihnen"?
Die Anrede ist häufig ein wirklich wichtiger Teil meiner Arbeit, darum nimmt sie oft die Form eines Briefes an. Bei einem Brief weiß man normalerweise, wer der Absender und wer der beabsichtigte Empfänger ist. Die Banner machen das auf eine etwas andere Art, aber ich hoffe dass sich temporäre Gemeinschaften um sie formieren können. So dass man sich am Ende selbst fühlt, als wäre man der Redner oder der Adressat.

In der Ausstellung zeigst du auch Tischskulpturen mit Köpfen von Schaufensterpuppen und anderen Objekten. Die Köpfe haben weder Gesichter, noch können sie reden. Kannst du uns mehr darüber erzählen?
Die Köpfe sind allgemein abstrakter als die Banner. Sie sind Stellvertreter für alle Arten von Assoziationen und Handlungen. Ich denke in vielerlei Hinsicht, dass sie sich wie Figuren in einem Stück ohne Drehbuch anfühlen. Wenn ich an den Köpfen arbeite, fühle ich mich, als würde ich einen Text schreiben, den ich nicht immer lesen kann und auf diese Art bin ich abhängig von einer tieferen, reichhaltigeren Sprache von Assoziationen und sogar von Missverständnissen.

(Fragen von Gauthier Lesturgie)


Dave McKenzie (* 1977 in Kingston, Jamaika) lebt und arbeit in Brooklyn, NY, US. Er hatte u.a. Einzelausstellungen im University Art Museum, University at Albany, USA (2017); Aspen Art Museum, Aspen, USA (2010); Atlanta Contemporary Art Center, Atlanta, USA (2008); im REDCAT Gallery, Los Angeles, USA (2008) und The Institute of Contemporary Art Boston, USA (2007). Er nahm an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen teil, u.a.: Cooper Union, New York, USA (2016); Studio Museum in Harlem, USA (2016); Tate Liverpool, UK (2015); Yerba Buena Center for the Arts, San Francisco, USA (2015); Nottingham Contemporary, Nottingham, UK; Whitney Biennial 2014, New York, USA; Performa 13 in New York, USA (2013); Walker Art Center, Minneapolis, USA (2012) und Contemporary Arts Museum Houston, USA (2012).
McKenzie hat zahlreiche Preise und Stipendien bekommen, darunter: the Foundation for Contemporary Arts Stipendium (2018), Rome Prize for Visual Arts (2014-2015); Guna S. Mundheim Visual Arts Fellow, The American Academy in Berlin (2011); USA Rockefeller Fellow, United States Artists und the Art Matters Foundation Grant (beiden in 2009).

McKenzie nimmt momentan an der Gruppenusstellung “Stories of Almost Everyone” im Hammer Museum, Los Angeles teil, die noch bis zum 6. Mai 2018 läuft.

Dave McKenzie
Speeches Speeches Speeches

March 3 - April 14, 2018
Opening: Friday, March 2, 6-9 pm

Conversation with Dave McKenzie about the exhibition

For your third exhibition at Barbara Wien you are presenting new works. Some are a continuation of An Intermission, a series of knitted banners printed with various kind of pictures, accompanied or overlaid sometimes with text. For example “We Will Not” is written on a picture of a bottle that contains "natural vitamins" or under a cropped portrait of a businessman is written “Speeches”. The sources, contexts and meanings of the images are often ambiguous; they resist an easy and quick reading from the viewer. Moreover, you frequently heavily edit your images by cropping them. Could you tell us more about their sources, and how do you select them?
The images come from a collection of 35mm slides, containing travel, family portraits and other photos’ genres that I acquired from Ebay some years ago.
It belonged to a private person who traveled a lot.
I have worked with these images at different times and in different contexts but I have so many of them that I have never looked at all them. When I start a new project I will go through some portion of the archive and try to select a few images that suggest something outside of the literalness of the image. Often, this exercise has nothing to do with the intentions of the original photographer or the subjects that were depicted. In altering them I am also trying to refresh them, make them potently ambiguous, and push them towards a potential future use. When I settle on an image, it is usually because I think it speaks to something that feels current and urgent - in this way it is a little like laying out a newspaper or magazine spread.

Banners bear a strong symbolic quality inherited from a long tradition of use (religious, advertisement, protest, politics, etc.). For demonstrations and parades, banners are truly performative objects as they materialize a statement, make it visible and impose its presence in a given space. Could you tell us more about this material choice? Are you somehow quoting a specific realm where banners are usually used such as for advertisements or demonstrations?
Could these banners be used as props for performances?
I often work with forms that are recognizable at first glance and the banners definitely fit into that category, but they aren’t from any particular realm or tradition.
I think they are probably a mash-up of all the traditions that you mentioned. Mostly, I like to think of them as stages for potential actions - real or imagined.

Banners are objects of communication, turning language into something visual. However, in earlier pieces you have been working with the impossibility or difficulty of speaking and not being understood (Babel, 2000), of addressing the other (encounter with Henry Kissinger in Camera, 2012), and you also made several mute replicas of yourself (Self-Portrait Piñata, 2002). How do you see your exhibition Speeches Speeches Speeches in this context?
Recently, Oprah Winfrey gave a really powerful speech at the Golden Globes, and the reaction to the speech largely dealt with whether or not she would run for President. The actual substance of her speech was placed in the background of what was imagined to be her ambition. I think about that and the difficulty of being heard, understood, and felt. The banners try to make something out of this difficult space; I care less whether I am understood and more about what you think you heard. To me that is a nice place to begin.

The texts printed on your banners show an interesting format, I have the impression you mimic or even pastiche the writing style one can witness on generic banners. Either used to display advertising or political slogan, these are often rather brief, catchy sentences with an almost invariable use of these subject pronouns: you, us and they.
Whom are you addressing? Who is “us” as opposed to “them”?
Address is often a really important part of my work, which is why so much of the work takes the form of a letter. With a letter you generally know who it is from and who the intended recipient is. The banners do this a little differently but I hope that around them temporary communities can occasionally form. So, in the end you feel as if you are the speaker or addressee.

In the exhibition, you also show sculpture-tables with doll heads and other objects. These doll heads are faceless or speechless, so to speak. Could you tell us more about it?
The heads are more abstract than the banners in general. They are a surrogate for all sorts of associations and actions. In many ways I think they feel like characters in a play without a script. In fact when I work on the heads I feel like I am writing a text that I can’t always read and in this way I am depending on a deeper richer language of associations and even misunderstandings.

(Questions from Gauthier Lesturgie)

Dave McKenzie (* 1977 in Kingston, Jamaica) lives and works in Brooklyn, NY, US.
He has had solo exhibitions at the University Art Museum, University at Albany, USA (2017); Aspen Art Museum, Aspen, USA (2010); Atlanta Contemporary Art Center, Atlanta, USA (2008); at REDCAT Gallery, Los Angeles, USA (2008) and at The Institute of Contemporary Art Boston, USA (2007) amongst others.
He has participated in a number of group exhibitions, including: Cooper Union, New York, USA (2016); Studio Museum in Harlem, USA (2016); Tate Liverpool, UK (2015); Yerba Buena Center for the Arts, San Francisco, USA (2015); Nottingham Contemporary, Nottingham, UK; Whitney Biennial 2014, New York, USA; Performa 13 in New York, USA (2013); Walker Art Center, Minneapolis, USA (2012) and Contemporary Arts Museum Houston, USA (2012).
He has been the recipient of numerous prizes and grants, such as the Foundation for Contemporary Arts’ grant (2018), Rome Prize for Visual Arts (2014-2015); Guna S. Mundheim Visual Arts Fellow, The American Academy in Berlin (2011); USA Rockefeller Fellow, United States Artists and the Art Matters Foundation Grant (both in 2009).

McKenzie is currently taking part in “Stories of Almost Everyone”, Hammer Museum, Los Angeles, USA until May 6, 2018.